Axel Marquardt
Umschlag: Nikolaus Heidelbach

Sämtliche Werke. Band I: Die frühe Prosa.- Zürich: Haffmans Verlag 1988.


Axel Marquardt schreibt Geschichten, wie sie das Leben schreibt, er schreibt von den wilden Abenteuern, wie sie die Bürger erleben können, wenn sie einen kleinen Schritt vom Gewöhnlichen abweichen. Das heisst, er schreibt über die Katastrophen im Banalen. Und wie es der Titel des Buches eigentlich schon verspricht, ist Markquardt (sic!) ein schräger Klassizist: Mit ruhiger, bildungs- und klischeegesättigter Sprache informiert uns ein überlegener Erzähler über das schlechthin Aberwitzige.


Jürg Scheuzger in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7. Juni 1989



Diese 'frühe Prosa' ist eine Lektüre, die den Brägen gelegentlich sanft vibrieren läßt und ein wonnevolles Summen im Kopf erzeugt, hervorgerufen ebenso von der Vielzahl meist origineller Einfälle wie von der Kunstfertigkeit des Autors, die von einiger literarischer Bildung zeugt.

Wo Märchen und Mythen, Tristram Shandy und die Novellistik des 19. Jahrhunderts einerseits, die Marx Brother, Monty Python, Otto und die Wunderwelt der Cliches zeitgenössischer Werbung und Trivialliteratur andererseits in einem Kopf zusammen hausen, da darf man wohl den Rechten vermuten, der dem allgemeinen Drunter und Drüber der gegenwärtigen Literatur noch einen Nutzen abgewinnen kann.

Es ist ein Zeitbild in Bruchstücken, das hier mit gebotenem Unernst entworfen wird.


Heribert Seifert in der Frankfurter Rundschau vom 21. Januar 1989




Seine elegante Prosa, die vor keinem noch so knallheiklen Thema Halt macht, glänzt mit einem völlig neuen Ton innerhalb der deutschsprachigen literarischen Hochkomik. Ein Debütant trat hier als Vollendeter ins flackernde Rampenlicht des Komisch-Schöngeistigen. Das ganze pralle, runde, dumme Leben ist ihm gerade dort Anlaß und Thema für feinstgefügte Erzählungen, wo es unbeabsichtig jene Pracht entfaltet, die man nur mit schräg zugeneigtem Blick richtig erfasst.

Pavillon, Juli/August 1989




Umschlag: Nikolaus Heidelbach

Standbein Spielbein. Gedichte. Zürich: Haffmans Verlag 1989. (Taschenbuch-Ausgabe 1992.)


Und Marquardts Gedichtband 'Standbein Spielbein' schließlich, ein letztes Beispiel, entfaltet seinen ganzen Spott an jener Poetik, die auch in den achtziger Jahren sich den Glauben nicht verkneifen konnte: 'Gedichte sind für die Ewigkeit'. Unter der Überschrift 'Drei nervöse Wahrnehmungen' hat der Autor gleichsam als Travestie aller gegenwärtigen und zukünftigen Räsonier- und Katastrophenpoeme am Ausgang des 20. Jahrhunderts eine kleine Rückschau auf die Lyrik der achtziger Jahre gehalten. Sein Gedicht hat zwar nichts mit einer 'geschichtsphilosophischen Sonnenuhr' gemein. Aber es hält auf drastische Art und Weise drei Katastrophen fest und erinnert zuletzt noch mit seinem harmonisch-dissonanten Dreiklang an den 'kranken Nachbarn' des Wandsbecker Boten. Wer es aufmerksam und laut liest, wird verspüren, daß es bei aller Verfremdung und Satire und aller katastrophalen 'Prosa' der Schlußstrophe die Lyriker auf dem Trampelpfad scharf beobachtet hat:


Drei nervöse Wahrnehmungen


Die erste


Diese feinen Risse im All!

Seht ihr sie nicht?

Jede Sekunde

scheint der Kosmos zu bersten.



Die zweite


Dieser scharfe Gestank in der Luft!

Riecht ihr ihn nicht?

Jede Minute

Scheint die Welt zu entflammen.



Die dritte


Dies Rauschen in der Wand!

Hört ihr es nicht?

Alle Halbestunde

Scheint mein Nachbar zu scheißen.


Aus: Hermann Korte: Auf dem Trampelpfad. Deutsche Lyrik 1985 bis 1991.


In: Vom gegenwärtigen Zustand der deutschen Literatur.

Text + Kritik, Heft 113, Januar 1992; hg. von Heinz Ludwig Arnold




Eine pointensprühende Mischung aus Morgenstern und (Eugen) Roth, Blüten wie aus H. C. Artmanns "Botanisiertrommel", ein Lyriksträußlein mit eingesprengter Kürzestprosa über den Dichteralltag. Kauziger Humor und Stilgefühl für den einen oder anderen derben Schmäh am rechten Ort, stets zwei bis drei Gewichtsklassen über Loriot. Verse über die deutsche Romantik, über Heiden und Christen, übers Vögeln und Marina, Marina, Marina.

Klaus Nüchtern im Falter, März 1990


Umschlag: Nikolaus Heidelbach

Der Betriebsdichter und andere Erzählungen. Zürich: Haffmans Verlag 1992.





100 Jahre Lyrik! Deutsche Gedichte aus zehn Jahrzehnten. (Hg.) Zürich: Haffmans Verlag 1992.

Herausgeber Axel Marquardt, der sein Fach versteht, was man daran sehen kann, daß er das Münsteraner Lyrikertreffen miterfand und -organisierte, und daran, daß er bald wieder damit aufhörte, Axel Marquardt also sammelt nur das beste. Und das ist wenig genug. Und vor allen Dingen nicht von Fried, Huchel, Klabund, Lasker-Schüler, Morgenstern, Rilke, Sachs, Stramm ... man sieht schon, hier kann man was lernen. Und Gedichte lesen, die kein Deutschlehrer kennt.

WING in Ultimo, Juli-September 1992

Axel Marquardt stellt in seiner Anthologie die ganze Breite und Tiefe dieser Tradition in unserem Jahrhundert, ihre Haupt-und Nebenhelden und ihre wirklich bleibenden Leistungen, mit sicherer Hand, Sachverstand, Entschiedenheit und Genauigkeit vor. (...) Sie (die Germanisten) werden dafür auf Namen stoßen, von deren Existenz sie bisher kaum oder gar nichts wußten: Hertha Kräftner, Johannes Theodor Baargeld, Otfried Krzyzanowski, Paul Boldt, Ernst Blass ...

Bernd Kortländer in der Theinischen Post, 26. September 1992



Umschlag: Nikolaus Heidelbach

Die Reisenden. Erzählungen, Faits divers und Miszellen. Zürich: Haffmans Verlag 1992.
(Um das Hauptstück Die Ärzte verminderte Taschenbuch-Ausgabe der Sämtlichen Werke.)

Marquardts kleiner Zyklus "Die Reisenden" setzt dem Genre Reiseerzählungen neue Standards im Zeichen sich fast überschlagender Tragikomik.

Pavillon, Juli/August



Umschlag: Martina Rußmann, Fotos: Thurid Selinger

Die Marschmenschen. Reise in eine Terra incognita. Rendsburg: Rake Verlag 1997.
(5. Auflage 2000.) Mit zahlreichen Bilddokumenten von Thurid Selinger.


"Freunden des höheren Unsinns, aber auch Linguisten, Ethymologen (sic!), Marschbewohnern, kurz: der Menschheit sei ein Büchlein ans Herz gelegt, das der Feder eines gewissen Axel Marquardt entsprungen ist. 'Die Marschmenschen - Studie über ein unbekanntes Volk' heißt der unscheinbar broschürte (sic!) Band, dessen Autor sich in seinem pseudo-wissenschaftlichen Bemühen, Eigenart und Lebensraum der Menschen zwischen der Kremser (sic! - recte: Kremper) und Wilster Marsch darzustellen, als Meister des Sprachwitzes erweist.

In einer unschlagbaren Mischung aus philosophisch-fußnotenbewährtem Kauderwelsch und völligem Blödsinn untersucht er Architekturen und Mythen des kleinen Landstrichs und geht unter anderem der Frage nach der Physiognomie oder den Alltagsgewohnheiten seiner Bewohner nach, für die er zum guten Ende noch eine leicht auswendigzulernende Hymne entwirft."


So die mutmaßliche Marschfrau Sabine Tholund in den "Kieler Nachrichten" vom 15. Januar 1998


Die angesprochene Hymne soll als erste Leseprobe dienen:


Marsch Marsch Marsch

Marsch Marsch Marsch

Marsch Marsch Marsch Marsch Marsch Marsch Marsch

Marsch Marsch Marsch

Marsch Marsch Marsch

Marsch Marsch Marsch Marsch Marsch


(Nach der Weise "Hänschen klein" zu singen.)



Dazu gibt es noch einen hübschen Link.



Umschlag: Martina Rußmann, Zeichnung: Thurid Selinger

Die Welt ist ein weiß lackiertes Türblatt. Dreizehn Erzählungen. Mit dreizehn Vignetten und einem Porträt des Autors von Thurid Selinger. Rendsburg: Rake Verlag 1997.



Umschlag: Martina Rußmann, Foto: Thurid Selinger feat. Axel B.

Die Marschmenschen - wie sie wirklich sind. Mit zahlreichen Bilddokumenten von Thurid Selinger. Rendburg: Rake Verlag 2000.


Eine wissenschaftliche Lumperei ist anzuzeigen, ein Bubenstück sondergleichen!

Im Jahre 1997 erschien im Rake Verlag, Rendsburg, also in ebendem Verlag, in dem auch dieses Büchlein erscheint, eine "sozioethnographische Studie" mit dem Titel "Die Marschmenschen" und dem hochfahrenden Untertitel "Expedition in eine Terra incognita". Wie viele meiner Fachkollegen aus dem Forschungsgebiet der Marschenkunde griff auch ich hoffnungsvoll, ja begierig nach dem schlanken Exemplar, sintemal ja bis dato nicht viel über dieses Thema publiziert worden war.

Wie groß aber war mein Erstaunen, als ich die ersten Zeilen las, und je weiter ich in meiner Lektüre vordrang, desto fassungsloser wurde ich, so dass mein Erstaunen am Ende in blankes Entsetzen umschlug! Da hatte sich doch ein Jemand, ein Niemand erfrecht, sich eines Gebiets anzunehmen, von dem er so gut wie nichts, und wenn etwas, dann auch nur rudimentär verstand. Dennoch las ich bis zum bitteren Schluss und musste mir schließlich bei allem anfänglichen Wohlwollen und strengster wissenschaftlicher Objektivität eingestehen, dass dieses Buch nichts anderes ist als ein ein mit pseudowissenschaftlichem Jargon garniertes Elaborat allerschlimmsten Rosstäuschertums!


Aus dem Vorwort des Herausgebers



Die Hörspiele (nicht alle, wie behauptet) finden sich hier.

Und zwar auf den verdienstvollen Seiten von Hördat Berlin. Dort bitte in die Suchmaske Marquardt eingeben und bis zu Axel Marquardt scrollen.